Initiative Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

Dienstag, 6. Dezember 2016, 18:30 Uhr

Vortrag mit PD Dr. Gregor Rohmann (Göttingen): Der Ghostwriter als Herold
Hans Jakob Fugger, Clemens Jäger und die Augsburger Geschichtsschreibung

Der Schustermeister, Ratsdiener und Zolleinnehmer Clemens Jäger (1500-1561) schrieb seit den 1540er-Jahren für den Augsburger Rat und viele seiner Mitglieder chronikalische und genealogische Werke und ließ sie oft von Künstlern prächtig ausstatten. Einer der wichtigsten Auftraggeber Jägers war Hans Jakob Fugger, für den er mit dem Ehrenbuch der Fugger, der Fuggerchronik und dem Habsburgischen Ehrenwerk drei umfangreiche Projekte bearbeitete. Außerdem versorgte er Fugger per Brief häufiger mit politischen Informationen. Bis weit in die Neuzeit entfalteten diese Bücher eine große Wirkung im historischen Selbstverständnis der Stadt, aber auch in der Wahrnehmung des Kaiserhauses. Unser Bild über den Ausgang des Mittelalters in Augsburg ist insofern bis heute mitgeprägt von einer sehr modern anmutenden Gestalt: einem sozialen Aufsteiger, der schon im 16. Jahrhundert mit Public History sein Geld verdiente.

PD Dr. Gregor Rohmann, Mittelalterhistoriker; 2000 Promotion in Göttingen über "Clemens Jäger und das Ehrenbuch der Fugger"; nach Stationen in Hamburg, Bielefeld und Frankfurt 2011 Habilitation in Frankfurt über die spätmittelalterliche "Tanzwut"; seitdem Lehrstuhlvertretungen in Frankfurt, Köln, Berlin, Basel und Göttingen.  

 

Dienstag, 22. November 2016, 18:30 Uhr

Vortrag mit Michaela Hermann, M.A. (Augsburg): Konrad Peutingers Sammlung römischer Inschriften


Der Augsburger Humanist und Stadtschreiber Konrad Peutinger (1465–1547) war nicht nur der Herausgeber der ersten Inschriftensyllogen, die nördlich der Alpen erschienen sind, auch als Sammler provinzialrömischer Inschriften gilt Peutinger als „Pionier“. Noch heute sind in seinem ehemaligen Wohnhaus, in das er 1515 eingezogen war, fünf römische Inschriften und ein Reliefblock eingemauert. Nicht alle diese Steine gehen auf Peutinger zurück, denn auch noch lange nach seinem Tod wurden neu aufgefundene Inschriften in sein Haus gebracht, das weiterhin als angemessener Sammlungsort angesehen wurde.
Die Geschichte der römischen Inschriftensteine ist gleichzeitig eine Geschichte ihres Entdeckens und Verdeckens. Einige der Steine, die Peutinger publiziert hatte, sind heute verloren. Im Gegensatz zu vielen anderen Sammlungen ist die Mehrzahl jedoch erhalten geblieben – manche sind noch immer in Gebäuden eingemauert. Da Peutingers Sammlung Anfang des 19. Jahrhunderts den Grundstock für das Antiquarium Romanum bildete, sind die meisten Steine durch die Überführung in das Maximilianmuseum ab 1855/56 in das römische Lapidarium der Kunstsammlungen und Museen Augsburg gelangt, die somit eine der ältesten römischen Steinsammlungen beherbergen.

Michaela Hermann, M.A., Historikerin und Archäologin, betreut bei der Augsburger Stadtarchäologie das Fundinventar und bereitet derzeit den Umzug der Sammlung in das neue Archäologische Zentraldepot vor. Zuletzt legte sie einen Beitrag über das „Schicksal der römischen Steine im Peutingerhaus“ vor und arbeitete über „Das römische Lapidarium von Augsburg. Von den Wegbereitern zur heutigen Sammlung antiker Steindenkmäler“.

 

Dienstag, 25. Oktober 2016, 18:30 Uhr

Buchpräsentation der Bände 2 und 3 der Selbstbiographie von Paul Stetten d.J

Paul von Stetten der Jüngere (1731–1808) gilt als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten Augsburgs im 18. Jahrhundert. Der Spross einer alteingesessenen evangelischen Patrizierfamilie stellte sein Leben ganz in den Dienst der Stadt und der Kunst. Neben seinen politischen Ämtern betätigte er sich als Schriftsteller, Historiker und Archivar. Als letzter evangelischer Stadtpfleger erlitt und beschrieb er das ereignisreiche Schlusskapitel der reichsstädtischen Zeit. In seinen Aufzeichnungen ist die Geschichte des eigenen Lebens mit der Stadtgeschichte Augsburgs auf das Engste verwoben. Eindringlich und zeitnah schildert er die sozialen und wirtschaftlichen Verwerfungen der Kriegsjahre und den politischen Umbruch.

Die wissenschaftliche Edition seiner umfangreichen Autobiographie in drei Bänden ist nunmehr abgeschlossen. Sie ermöglicht einen differenzierten Blick auf die Handlungsspielräume und die politischen Vorstellungen wichtiger Akteure der Geschichte Augsburgs am Ende des Alten Reichs.

 

Dienstag, 20. September 2016, 18:30 Uhr

Buchpräsentation mit Vorträgen von Prof. Dr. Johannes Burkhardt und Dr. Helmut Zäh (Augsburg): Peutinger als Publizist

Die deutschen Humanisten gehörten zu den ersten Textproduzenten und wichtigsten Abnehmern der neuzeitlichen Druckmedien. Aber ausgerechnet der große und weithin bekannte Augsburger Humanist Konrad Peutinger, der im Laufe seines Lebens eine der bedeutendsten Bibliotheken der Zeit aufgebaut hat, ist auf dem Buchmarkt als Autor selbst wenig hervorgetreten. Dem stehen andere zukunftsweisende Kulturleistungen gegenüber, die im Zuge der Veranstaltungen zum 550-jährigen Geburtsjubiläum bereits zur Sprache gekommen sind. Insbesondere Ausstellung und Katalog der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg haben Peutingers zentrales Anliegen der Überlieferungssicherung unter dem Programmbegriff "Gesammeltes Gedächtnis" herausgearbeitet und zur Anschauung gebracht.
 
Zu entdecken bleibt der Publizist Peutinger, der dann doch in seltenen, aber umso interessanteren Fällen auch das Druckmedium nutzte. Drei erstmals zusammengestellte kleine Druckschriften Peutingers stehen nun mit einer Einleitung des Frühneuzeithistorikers Johannes Burkhardt und deutschen Erstübersetzungen des Peutingerexperten Helmut Zäh und der Latinistin Veronika Lukas (MGH) in der Reprint-Reihe HISTORIA SCIENTIARUM des Olms-Verlags bereit. Anlässlich der Vorstellung der Neuerscheinung wird Johannes Burkhardt der Frage nachgehen, warum Peutinger gerade mit diesen Themen an die zeitgenössische Öffentlichkeit ging und mit anderen nicht. Helmut Zäh wird hinwiederum nach den Verbindungen dieser Drucke zum "Gesammelten Gedächtnis" zurückfragen und zum Abschluss beider Projekte die Ergebnisse bilanzieren.
 
Konrad Peutinger: Tischgespräche (Sermones convivales) und andere Druckschriften. Faksimile-Edition der Erstdrucke mit einer Einleitung von Johannes Burkhardt und einer kommentierten Übersetzung von Helmut Zäh und Veronika Lukas. Historia Scientiarum. Georg Olms Verlag, Hildesheim 2016. XXVIII, 217 S. ISBN: 978-3-487-13210-9.
EUR 98,00 (Subs.-Preis)/118,00 (Ladenpreis).
 
Die Publikation wurde gefördert mit Mitteln der Fritz Thyssen Stiftung und der Stiftung Augsburger Wissenschaftsförderung.
 

Dienstag, 26. Juli 2016, 18:30 Uhr

Vortrag von Prof. Dr. Sibylle Appuhn-Radtke (München): Europäische Hochschulwerbung im Barock: Zum Erfolgsmodell „Augsburger Thesenblatt“

Schon im 17. und 18. Jahrhundert standen Hochschulen im Wettbewerb: Sie mussten die richtigen Menschen als Lehrer, Studenten oder Mäzene gewinnen und daneben Finanzierungsmittel einwerben. Man tat dies, indem man die Qualität der Ausbildung durch erfolgreiche Absolventen demonstrierte: durch öffentliche Disputationsveranstaltungen mit Thesen aus dem Lehrstoff der Kurse, überwiegend der grundlegenden Philosophie. Die jeweils besten Graduierten, möglichst aus dem Adel, bewiesen dabei ihre rhetorische Brillanz. Angekündigt wurden solche Disputationen auf plakatartigen illustrierten Einblattdrucken, die (für den deutschsprachigen Raum) zentral in Augsburg gestochen und gedruckt wurden. Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg besitzt die größte Sammlung solcher Blätter in Europa. Der Vortrag erläutert dieses System frühneuzeitlicher Werbung an Beispielen aus verschiedenen Universitäten, erläutert die Reichweite der Augsburger Graphiken und geht auf Mechanismen der Vermarktung ein. Gefragt wird nach den Gründen für die Hochschätzung dieser „Plakate“ und speziell nach dem Erfolg der Augsburger Produktion.

Prof. Dr. Sibylle Appuhn-Radtke ist Kunsthistorikerin, tätig am Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München (Forschungsstelle Realienkunde). Sie wurde 1983 in Freiburg i.Br. mit einer Dissertation zu den Thesenblättern des Augsburger Kupferstechers Bartholomäus Kilian promoviert (erschienen Weißenhorn 1988). 1996 habilitierte sie sich an der Universität Erlangen-Nürnberg mit einer Schrift über die Konstanzer bzw. Mailänder Werkstatt des Malers Johann Christoph Storer – der ebenfalls Thesenblätter vorgezeichnet hat (erschienen Regensburg 2000). Seitdem hat sie mehrere Aufsätze und Artikel zum Thema verfasst, darunter den Artikel „Thesenblatt“ in der „Enzyklopädie der Neuzeit“ (2011).

 

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